GAIN-Studien
GAIN gibt in regelmäßigen Abständen Studien in Auftrag, welche die Situation von Deutschen im Ausland erfassen und beleuchten sollen.
Wissenschaft Weltoffen
In der 2014 Ausgabe von Wissenschaft Weltoffen wird ein Schwerpunkt auf Nordamerika und besonders das Verältnis zwischen USA und Deutschland gelegt. Der Band umfasst zahlreiche Statistiken und Interpretationen rund um internationale Mobilität und wissenschaftlichen Austausch.

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Studie zum Verbleib der Teilnehmer/innen der GAIN-Jahrestagungen 2004-2011
Im nächsten Jahr treffen junge deutsche Wissenschaftler/innen, die in Nordamerika arbeiten, bereits zum dreizehnten Mal auf hochrangige Vertreter aus allen Bereichen des Wissenschaftsstandorts Deutschland. Neben Informationen über Karrieremöglichkeiten bekommen sie dort die Gelegenheit im Gespräch mit den politisch Verantwortlichen die Weichen für die wissenschaftspolitische Zukunft Deutschlands mitzugestalten. Solch eine kontinuierliche Arbeit über so einen langen Zeitraum weckt natürlich die Frage danach, was eigentlich mit den vielen Teilnehmern all dieser Tagungen in der Zwischenzeit passiert ist. Wo sind sie heute? Wie ist ihre berufliche Karriere verlaufen? Um diese und weitere Fragen zu beantworten hat GAIN Ende letzten Jahres eine "Studie zum Verbleib der Teilnehmer/innen der GAIN-Jahrestagungen 2004-2011" in Auftrag gegeben, die vom Umfragezentrum Bonn durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wurde.

Am 5. November stellte Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung in Berlin die Studie der Öffentlichkeit vor. Er hatte im September selbst an der 12. Auflage der GAIN-Tagung in Boston teilgenommen und so die Arbeit des Netzwerks aus erster Hand kennengelernt. Neben Dr. Braun und GAIN-Programmleiter Gerrit Rößler waren drei Rückkehrer/innen aus dem GAIN-Netzwerk anwesend: Prof. Dr. Claudia Janssen, Juniorprofessorin für Kommunikation und Medien and der Deutschen Universität für Weiterbildung in Berlin, Dr. Baris Tursun, Nachwuchsgruppenleiter am Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) und Dr. Nana Bit-Avragim, Postdoktorandin am Max-Dellbrück Center. Alle drei sind in den letzten zwölf Monaten aus Nordamerika nach Deutschland zurückgekehrt. Sie berichteten eindrücklich von ihrer eigenen Rückkehrerfahrung und den damit verbundenen Herausforderungen.

Der Fokus der Studie lag auf den Jahren 2004 bis 2011, da erst seit 2004 die Teilnahme auch für Nicht-Stipendiaten der großen deutschen Forschungs- und Förderorganisationen geöffnet wurde und so ein repräsentatives Bild deutscher Wissenschaftler/innen in Nordamerika erfasst werden konnte. Insgesamt 1665 wurden per online Fragebogen kontaktiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Bei den Teilnehmern der Tagungen 2004 bis 2009 lag der Anteil der Rückkehrer bei mehr als zwei Dritteln. Weniger als 30% dieser Gruppe verblieben in Nordamerika, und auch von diesen viele nicht auf Dauer. Von den Teilnehmern der Tagung 2010 lag der Anteil der Rückkehrer bei 48,4%. Unter den Teilnehmern der Tagung im September 2011 lag die Rückkehrquote zum Befragungszeitpunkt Januar bis März 2012 erwartungsgemäß bei nur 12,9% , da im Fall der letzten beiden Tagungen viele Teilnehmer ihren ursprünglich geplanten Postdoc-Aufenthalt noch nicht beendet hatten - erst danach stellt sich die Frage der Rückkehr.

Der direkte Vergleich zwischen Nordamerika und Deutschland zeigt, dass die Chance, eine dauerhafte Stelle zu bekommen, in Deutschland durchaus besser ist als in den USA. 12.5% der Zurückgekehrten haben eine W2- oder W3-Professur in Deutschland, die mit einer Dauerstelle ("Tenure") in den USA vergleichbar ist. 10,7% haben eine Juniorprofessur. Rund 28% leiten eine Nachwuchsgruppe. 24% sind als Postdoktoranden oder wissenschaftliche Mitarbeiter tätig und 14% arbeiten in der Wirtschaft. Dagegen haben nur 7,1% der in Nordamerika Verbliebenen eine Stelle als Associate oder Full Professor und nur 3,8% leiten eine Nachwuchsgruppe oder Ähnliches. Der Anteil an Assistant Professors, also an zeitlich begrenzten Positionen, liegt bei 14,7%. Die weitaus meisten (67%) arbeiten dort als Postdoktoranden oder wissenschaftliche Mitarbeiter in Positionen, die in der Regel schlechter bezahlt werden als vergleichbare Positionen in Deutschland.

Es hat sich auch gezeigt, dass der Blick nach Deutschland oft mehr Sorge bereitet als notwendig. Es gibt offenbar eine Diskrepanz zwischen den erwarteten und den tatsächlichen Herausforderungen bei der Rückkehr. Während 12% derer, die ihre Rückkehr planen, die Einkommenssituation in Deutschland als Herausforderung sehen, empfinden diese nur 2% der bereits Zurückgekehrten als Problem, da sie oft besser ist als erwartet. Eine andere häufig genannte Herausforderung ist die Stellensuche vom Gastland aus. Im Falle der tatsächlichen Rückkehr kamen nur 16% der Rückkehrenden ohne Stellenangebot oder -zusage nach Deutschland zurück, und auch von diesen 16% konnte die Hälfte innerhalb von drei Monaten nach Rückkehr eine neue Stelle in Deutschland finden. Weitere Ergebnisse beziehen sich auf das konkrete Gehalt, die Zufriedenheit mit dem neuen Arbeitsplatz und Wünsche an die Politik.

Man war sich bei der Veranstaltung am 5. November einig, dass Deutschland sich nicht auf den positiven Ergebnissen der Studie ausruhen darf, sondern weiter seine Stärken ausbauen muss. Besonders für die langfristige Karriereplanung, die auch in den USA momentan sehr schwierig ist, muss es mehr und sicherere Möglichkeiten geben. Auch bei der Rückkehr von Doppelkarrierepaaren muss es noch mehr Unterstützung geben. Man sei aber, so der Tenor an diesem Morgen, auf dem richtigen Weg. Wie man es in Zukunft noch besser machen kann, wird sich vielleicht 2013 in San Francisco bei der nächsten GAIN-Tagung klären.