Sonderbeiträge und Themen
Bei der Karriereplanung, ob in Deutschland oder den USA, stehen bestimmte Themen immer wieder im Mittelpunkt: Wie kann ich meine Forschung gewinnbringend vermarkten oder mein eigenes Unternehmen gründen? Welche Karrierewege stehen mir außerhalb der Universität offen? Was ist mit meinem Partner oder meiner Partnerin im Falle eines Ortswechsels? Wie kann ich Karriere und Kinder verbinden?

Expertinnen und Experten aus der deutschen Wissenschaftslandschaft stehen Ihnen mit Tipps und Tricks zur Seite.
Entrepreneurship

Ausgründungen aus der Wissenschaft

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) unterstützen Start-Ups aus der Wissenschaft mit einer Reihe von Fördermaßnahmen. Dabei können sich zukünftige Entrepreneurs von der ersten Idee bis hin zur Entwicklung von Prototypen und Vermarktung von Patenten strategisch und finanziell unterstützen lassen. Für junge Forscher eröffnen sich dadurch spannende Möglichkeiten die eigene Wissenschaft in ein Unternehmen zu verwandeln.

 

GO-Bio

Mit dem Wettbewerb "Gründungsoffensive Biotechnologie" GO-Bio fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gründungsbereite Forscherteams in den Lebenswissenschaften, um technisch anspruchsvolle Ideen zu einer tragfähigen Unternehmensgründung reifen zu lassen. Seit dem Start im Jahr 2005 sind 4 Runden ausgeschrieben worden. Insgesamt wurden 150 Millionen Euro für die Maßnahme eingeplant. Das Programm ist zweistufig aufgebaut. In einer ersten Förderphase (max. 3 Jahre) soll das "proof of concept" gezeigt werden. In der folgenden zweiten Förderphase (max. 3 Jahre) soll das proof of technology dargelegt sowie Strategien für die Markteinführung (proof of market) entworfen werden. Gefördert werden Personalausgaben, Material, Investitionen, FuE-Fremdleistungen, Patentkosten, Beratungskosten für Qualitätsmanagement und klinische Studien (75.000 €), Coachingleistungen (25.000 € pro Jahr) und betriebswirtschaftliche Weiterbildung. Flankiert wird das Förderprogramm durch gründungsspezifische Beratungsangebote, Seminare für Teammitglieder zu gründungsrelevanten Themen wie Patent- und Finanzierungsstrategie, klinische Studien sowie Qualitätsmanagement u.a. und Investmentforen.

 

EXIST

EXIST ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi), das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Absolventinnen und Absolventen sowie Studierende aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bei der Umsetzung technologisch-innovativer Gründungsvorhaben unterstützt.

Im Programm EXIST-Gründerstipendium werden Gründerteams von maximal drei Personen mit einem Stipendium zur Sicherung des persönlichen Lebensunterhalts, Sachmitteln bis max. 17.000 € sowie weiteren 5.000 € für gründungsbezogenes Coaching gefördert.

Das zweiphasige Programm EXIST-Forschungstransfer unterstützt herausragende forschungsbasierte Gründungsvorhaben, die mit aufwändigen und risikoreichen Entwicklungsarbeiten verbunden sind. In der Förderphase I werden Forscherteams sowie eine Person mit betriebswirtschaftlicher Kompetenz gefördert. Es werden Personalkosten für maximal vier Personalstellen sowie Sachkosten bis zu 60.000 Euro finanziert. Ist die Gründung erfolgt, können mit Unterstützung eines nicht-rückzahlbaren Zuschusses von bis zu 150.000 Euro in der Förderphase II weitere Entwicklungsarbeiten bis zur Marktreife durchgeführt werden.

 

High-Tech Gründerfonds

Der High-Tech Gründerfonds investiert Risikokapital in junge, chancenreiche Technologieunternehmen, die vielversprechende Forschungsergebnisse unternehmerisch umsetzen. Mit Hilfe der Seedfinanzierung sollen die Start-Ups das F&E-Vorhaben bis zur Bereitstellung eines Prototypen bzw. eines „Proof of Concept“ oder zur Markteinführung führen. Der Fonds beteiligt sich initial mit 500.000 Euro; insgesamt stehen bis zu zwei Millionen Euro pro Unternehmen zur Verfügung. Durch die Beteiligungsfinanzierung erwirbt der Fonds offene Anteile in Höhe von 15 Prozent des Stammkapitals der Portfoliounternehmen. Der High-Tech Gründerfonds ist aus der Initiative „Partner für Innovation“ entstanden und verfügt über ein Fondsvolumen von rund 573,5 Mio. EUR (272 Mio. EUR Fonds I und 301,5 Mio. EUR Fonds II).  Investoren der Public-Private-Partnership sind das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, die KfW Bankengruppe sowie die 17 Wirtschaftsunternehmen ALTANA, BASF, B. Braun, Robert Bosch, CEWE Color, Daimler, Deutsche Post DHL, Deutsche Telekom, Evonik, Lanxess, media + more venture Beteiligungs GmbH & Co. KG, METRO, Qiagen, RWE Innogy, SAP, Tengelmann und Carl Zeiss.

 

Science4Life

Die Gründerinitiative Science4Life unterstützt junge Unternehmer, und solche, die es werden wollen, bei ihrem Weg in die Selbständigkeit - gerade auch von Deutschen, die sich derzeit im Ausland befinden. Der eingetragene Verein veranstaltet einen bundesweiten Businessplan-Wettbewerb in den Zukunftsfeldern Life Sciences und Chemie. Flankierend dazu bietet er einen umfassenden Informationsservice, bestehend aus Downloads und (Online)Seminaren sowie speziellen Workshops. Besonders wertvoll für (potenzielle) Gründer ist das Scienc4Life-Netzwerk, das eine kostenfreie Kontaktaufnahme mit Experten zu allen relevanten Themengebieten bietet. Die durch das Bundesland Hessen und sanofi-aventis finanziell unterstützte Gründerinitiative steht heute für eine der erfolgreichsten Public-Private-Partnerships in diesem Bereich. Diese Dienstleistungen sind völlig kostenfrei.

Dual Career

Ist der Wunschjob in Deutschland erst einmal gefunden, stellt sich für viele WissenschaftlerInnen häufig die Frage: Was ist mit dem Partner oder der Partnerin? Besonders wenn beide Partner hochqualifizierte Akademiker sind, stellt die Suche nach einer geeigneten Stelle für beide oftmals ein Problem dar. Für diese Doppelkarrierepaare bieten viele Hochschulen seit einiger Zeit so genannte Dual-Career Services an. Dort werden sie, unter anderem, bei der Jobsuche des Partners, bei der Planung von Kinderbetreuung und, wenn nötig, bei Fragen der Arbeitserlaubnis und Einreise unterstützt. Auf Seiten der Hochschule ist die Hoffnung groß auf diese Weise Spitzenkräfte für den eigenen Standort zu begeistern und mit derartigen "soft-factors" die Wahl zu erleichtern.

Im Folgenden haben wir einige solcher Dienste beispielhaft ausgewählt und stellen andere Ansätze zum Thema vor.

 

Dual Career Netzwerk Deutschland

Für einen wechselseitigen Erfahrungs- und Kompetenzaustausch und zur Verbesserung der (inter) nationalen Sichtbarkeit von  Unterstützungsprogrammen für Dual Career  Couples haben sich die Expertinnen und Experten bereits bestehender Dual Career Serviceeinrichtungen an deutschen Universitäten 2010 zum „Dual Career Netzwerk Deutschland (DCND)“ zusammen geschlossen. Vertreten wird das DCND durch ein Sprecherinnen-Tandem. Zur Zeit gewählt sind Frau Marlar Kin (Goethe-Universität Frankfurt am Main) und Frau Katharina Klaas (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg).Das DCND hat bundesweit geltende Qualitätskriterien für die Arbeit mit Dual Career Couples entwickelt,betreibt (inter)nationale Öffentlichkeitsarbeit und treibt die Professionalisierung von Dual Career Couples-Beraterinnen und Beratern voran, beispielsweise durch Fortbildungen. Die Mitglieder des DCND verfolgen mit dem Zusammenschluss die Institutionalisierung von Angeboten für Dual Career Couples in Deutschland und die internationale Positionierung als attraktiven Wissenschaftsstandort. Weitere Praktikerinnen und Praktiker, die an deutschen Hochschulen im Dual Career Bereich arbeiten und Interesse an einer aktiven Mitgliedschaft im Dual Career Netzwerk Deutschland haben, können sich mit dem Sprecherinnen-Tandem in Verbindung setzen. 

  

EURAXESS Deutschland 

Hier finden sich zahlreiche nützliche Informationen zum Thema Dual-Career in Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten. Unter anderem stehen ein Überblick über sämtliche Service-Büros an Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland, sowie das Best Practice Paper des Deutschen Hochschulverbands zur Verfügung.

 

Munich Dual Career Office

Das Netzwerk des Munich Dual Career Office wurde 2008 gegründet, um am Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort München im Hinblick auf Mobilitätsanforderungen, mit denen sich Spitzenkräfte konfrontiert sehen, neue und innovative Lösungen zu entwickeln. Als Service des Faculty Recruiting der Technischen Universität München bietet es Dienstleistungen für Spitzenwissenschaftler/innen und deren Partner/innen an. Unterstützung bei der Stellensuche, Netzwerkaufbau, Information, Beratung stehen dabei an oberster Stelle. Integration von Spitzenwissenschaftlern/innen und deren Partnern/innen in die Region in Form von Hilfen zu Wohnen/Leben, Kinderbetreuung, Schule, Bildung, Freizeit, Soziales, Fragen zu Finanzen/Versicherungen/Krankenkasse/Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, Weiterbildung machen ebenfalls einen wichtigen Teil aus. Im konkreten Hochschulalltag spielen vor allem Netzwerke und PE-Maßnahmen für die Universität eine große Rolle.  

Einen ausführlichen Artikel zum Thema von Kerstin Duebner-Gee finden Sie hier.

Familien- und Gleichstellungsbüros

An vielen Hochschulen wird die Aufgabe der Doppelkarriereplanung von den etablierten Familien- und Gleichstellungsbüros übernommen. Dort kann in der Regel auch Unterstützung bei der Planung einer Hochschulkarriere mit Kindern gegeben werden.

Coaching Center für Wissenschaftlerinnen 

Das Coaching Center ist ein Projekt der Frauenbeauftragten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und will Nachwuchswissenschaftlerinnen auf ihrem Berufsweg unterstützen und beraten. Unter Kids&Co lautet das Stichwort "Work-Life-Balance" und meint die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. von Familie und Studium, die auch Vätern neue Wege eröffnen soll, mehr Verantwortung für den Nachwuchs zu übernehmen.

Mentorinnennetzwerk

Im MentorinnenNetzwerk engagieren sich berufserfahrene Frauen aus Wissenschaft und Wirtschaft (Mentorinnen), um Studentinnen und Absolventinnen (Mentees) in ihrer beruflichen Entwicklung zu fördern. Auch Studentinnen können als Mentorinnen für Schülerinnen aktiv werden. In Seminaren und Workshops können Mentorinnen und Mentees eigene Kompetenzen weiter entwickeln und ausbauen. Vernetzungstreffen und Vernetzungslisten fördern Austausch und Kommunikation untereinander.

AcademiaNet

In diesem Zusammenhang sei auch das neue AcademiaNet genannt. Das Online-Portal wird unter anderem von den GAIN-Partnern AvH und DFG unterstützt und rückt exzellente Forscherinnen ins Blickfeld derer, die wissenschaftliche Gremien oder Führungspositionen besetzen, die über Wissenschaft berichten, Konferenzprogramme gestalten oder Experten zur Entscheidungsfindung hinzuziehen wollen. Mit Unterstützung durch AcademiaNet soll der Anteil an weiblichen Wissenschaftlerinnen in einflussreichen Positionen signifikant steigen. AcademiaNet startet mit zunächst etwa 500 Profilen von exzellenten Wissenschaftlerinnen aus dem deutschsprachigen Raum und soll im Zeitraum von 2-5 Jahren weiter wachsen und ggf. auf den gesamteuropäischen Raum ausgeweitet werden.